Donnerstag, 4. April 2013

Kontaktanfragen auf Xing, ...

... sind ja eine schöne Sache, wenn sie von Leuten kommen, die man kennt.
Aber wie antwortet man auf all die Kontaktanfragen von Leuten, die meinen "Wir haben lUt profil die gleichen Interessen, wir sollten Xing-Kontakte sein...

Das hängt sicher von dem jeweiligen Nutzungsprofil ab – mein Nutzungsprofil stammt noch Us Zeiten des openBC und dementsprechend ist für mich der Stellenwert des 'Kontaktes' bei Xing erheblich höher, als der des 'Freundes' bei Facebook.

Und für Diskussionen auf Xing muss man ja nicht in der gegenseitigen Kontaktliste stehen.

Hier meine Standardantwort auf Xing-Anfragen von Leuten, die über Profilähnlichkeiten, gemeinsame Gruppenzugehörigkeit oder ähnliche Dinge zur Kontaktanfrage kommen - zum freien kopieren und modifizieren.

Sehr geehrte<....>

vielen Dank für Ihre freundliche Kontaktanfrage.

Meine Nutzung von Xing geht auf Zeiten zurück, in denen Xing noch OpenBC hieß und aus dieser Zeit stammt auch noch mein Regularium für die Kontakteliste - in meinen Xing-Kontakten befinden sich nur Leute, mit denen mich eine konkrete, bereits erfolgte Zusammenarbeit (auch virtuell und für kurze Zeit) oder eine persönliche Bekanntschaft aus der physischen Welt verbindet. 

Ich habe Ihre Kontaktinformationen unter "gemerkte Personen" hinterlegt und werde gerne auf Sie zurückkommen, wenn ich einen konkretes, passendes Thema habe.

Gerne können Sie mich natürlich weiterhin ganz normal zu konkreten Themen kontaktieren - meine Xing-Knfiguration erlaubt es auch Nicht-Kontakten mir ganz normale Nachrichten zu schicken.

Mt freundlichen Grüßen

Dienstag, 26. März 2013

Selbstmarketing: 4-, setzen

Bin gerade beim suchen nach Promotions-Material über die Flyer gestolpert, die ich Mitte letzten Jahres mal entwickelt habe um Leuten, die nicht "aus der Branche" sind erläutern zu können, was ich eigentlich mach und an welchen Stellen sie durch die Dienstleistungen meines Unternehmens besser werden könnten.

Hat bis heute noch keiner heruntergeladen... 

Ach ja: Ich habe sie ja auch nirgendwo veröffentlicht... Wie mein Patenkind schreiben würde: (facepalm) 

Im Sinne von "Vorratshaltung ist Verschwendung" eine wirklich unglaubliche Nachlässigkeit, denn wenn sie niemand zu Gesicht bekommen kann sind sie irgendwann überholt (jetzt noch nicht ;-) ) und dann war der Aufwand wirklich Verschwendung. So beläuft sich der Schaden nur auf 10 Monate "Nicht-Nutzung des Produktes", durch die fehlende Veröffentlichung.

Auch wenn noch zwei  Flyer fehlen, hier schon mal – zumindest geblogged – die fertigen:
InhaltDatei
ÜberblickPaketueberblick-2012-07.pdf
Aufsetzen von ProjektenProjectJumpstart2012-07.pdf
Einschätzung der ProzesseAgilityAssessment-2012-07.pdf
Coach the Coach fehlt
Second Opinionfehlt

Montag, 25. Februar 2013

Multitasking - Weniger tun um mehr zu schaffen

Hier die wichtigsten Links zu dem Vortrag zum Thema "Multitasking - weniger tun um mehr zu schaffen, den ich am 21.02. im Startplatz  gehalten habe.

Die Folien selber sind für kurze Zeit unter http://www.michaelmahlberg.de/WenigerTunUmMehrZuSchaffen.pdf zu bekommen.

Nebenbei: Wer mehr zu Lean und Kanban für Wissensarbeit in Unternehmen wissen möchte, kann auf der Kanbankonferenz im Startplatz am 19.04.2013 viel dazu erfahren - jetzt aber zu den angekündigten Links:

Die Idee zur Simulation mit ausführlicher Erläuterung ist auf der Website von Henrik Kniberg zu zu finden.

Die Publikationen zu Little's Law sind inzwischen sehr Umfangreich - eine der interessantesten Darstellungen dazu ist für mich die englische Präsentation von Daniel Vacanti von der LCKE 2012.

Auf Deutsch beschreibt natürlich der Wikipedia-Eintrag zu Littles Gesetz dessen Grundlagen, aber leider sehr kurz.

Auch für Personal Kanban ist die wichtigste Website derzeit nur auf Englisch verfügbar: http://www.personalkanban.com/pk/, aber das Buch zu Personal Kanban ist mittlerweile auch auf Deutsch verfügbar.

Die Pomodoro-Technik allerdings ist auf der englischen Website meiner Ansicht nach inzwischen viel zu aufgeblasen, so dass hier eher der deutsche Wikipedia-Eintrag eine hilfreiche Quelle ist - von der englischen Website nutze ich selber nur noch von Zeit zu Zeit das Cheat-Sheet, das auf einer Seite alles wesentliche zu Pomodoro-Technik zusammenfasst.

Bei weiteren Fragen: Einfach eine kurze Mail an mich schicken, oder es hier in den Kommentaren vermerken.


Cheers
  Michael

P.S.: Einen sehr spannenden Beitrag zu genau diesem Thema hat mir Dorthe von Smartklick Solutions noch geschickt: Auch in Wissenschaftssendungen im ZDF hat man eine klare Meinung zur Effektivität von Multitasking - ab ca. Minute 25 wird in dieser Folge von neo darauf eingegangen. Man beachte besonders die Aussagen ab39:59 und 43:32... Vielen Dank für diesen Hinweis, Dorthe!

Montag, 30. Juli 2012

Gedanken zu Verträgen in agilen Projekten

Weil es immer wieder Thema ist - ein paar Überlegungen zur Gestaltung von Verträgen für "Agilisten".

Weder Dienstverträge noch Werksverträge scheinen das passende Modell für die Gestaltung von Verträgen zu sein, wenn es um agile Softwareentwicklung geht.

Obwohl es mittlerweile viele Informationen zu diesem Thema gibt – einen Einstieg in das Material geben die Links am Ende des Beitrags –, finde ich ein paar konkretere, direkt umsetzbare Ideen notwendig.

Normale Vertragsmodelle

Das deutsche Recht unterscheidet in diesem Bereich im Wesentlichen zwischen zwei Vertragsmodellen und in diesem Raum bewegen wir uns größtenteils, solange wir uns unter "fremden Dritten" bewegen.

Dienstverträge

Dienstverträge – insbesondere unter der offiziellen Überschrift "Beratung" – haben einen besonderen Charme für den Auftragnehmer: Das einzige was wirklich einklagbar ist, ist die Zeit, die der Auftragnehmer für den Auftraggeber arbeitet. Bestimmte Resultate oder Eigenschaften der Arbeitsergebnisse sind hier nicht wirklich erstreitbar.

Werkverträge

Werkverträge auf der anderen Seite sind scheinbar sehr von Vorteil für den Auftraggeber, da hier gerade die Resultate und Eigenschaften einklagbar sind, die vertraglich festgelegt wurden – unabhängig davon wie lange der Dienstleister tatsächlich braucht. Das Problem in der Software-Entwicklung ist, dass eine vollständige, "korrekte" Spezifikation zu schreiben (zumindest aus mathematischer Sicht) exakt so aufwändig ist, wie das schreiben der Software selber und somit die Erstellung des Vertragswerks unangemessen teuer wird.

Diese beiden Varianten fallen also schon mal aus - zumindest als Einzellösungen.

Alternative Verträge für agile Projekte

Aber wie sieht es mit einer Kombination der Lösungen aus?
Wenn wir im Auge behalten wollen, dass wir uns im deutschen Vertragsraum aufhalten und trotzdem einfache Verträge schließen wollen, dann lassen sich durch eine Trennung der Bezahlung der Zeit einerseits und der Inhalte und Qualität andererseits die Verträge sehr stark vereinfachen.

Die meiner Ansicht nach sinnvollste Lösung hat Henrik Klagges in seinem aktuellen Vortrag [4] sehr schön umrissen:

Modell “Proviant und Prämie”
- Der Lieferant bekommt einen niedrigen T&M [Dienstvertrags]-Stundensatz, der garantiert ist und nicht zurückgefordert werden kann
- Zusätzlich gibt es bei Erreichen von definierten Erfolgskriterien eine Prämie

Der Dienstvertragsanteil

Die erste Hälfte dieser Variante ist einfach - da das BGB und das HGB die meisten Aspekte der Vertragsgestaltung für Dienstverträge weitaus besser geklärt haben als der durchschnittliche Individualvertrag lässt sich ein einfacher Dienstvertrag meistens in weniger als einer Seite abhandeln - schließlich geht es nur darum, den Stunden- oder Tagessatz festzulegen und die Form des Zeitnachweises abzustimmen. Selbst Verschwiegenheitserklärungen und Wettbewerbsregelung lassen sich auf dieser einen Seite unterbringen, wenn man sich an die herrschende Rechtslage hält und einfach auf die entsprechenden Paragraphen verweist.

Der Prämienanteil

Der Prämienanteil ist um einiges schwieriger zu gestalten, denn letztendlich handelt es sich hierbei um einen Werksvertrag – oder sogar um eine ganze Reihe davon. Und dies ist die Stelle, an der sich die Geister scheiden - soll die Prämie beispielsweise für das Erreichen bestimmter Meilensteine gezahlt werden?

  • 50% der Funktionen am 31.12.?
  • Wenn <Liste der features> erfüllt ist?
  • Bei Produktionsstart in vollem Umfang am <Datum>?

Meine Meinung ist hier ein ganz klares Nein – zumindest bei dieser Form der Meilensteine.
Diese Art der Meilensteine bezieht sich ja wieder auf die funktionalen Beschreibungen. Die nur mit sehr hohem Aufwand formal vollständig erstellbar sind. Und genau hier sollen ja eigentlich agile Methoden weiterhelfen, indem die Anforderungen durch kurze Rückkopplungsschleifen und direkte Zusammenarbeit zwischen Kunde und Auftragnehmer innerhalb der Projektlaufzeit im Detail erarbeitet werden können. Für die Inhalte der Prämienverträge brauchen wir also andere "Meilensteine" - und eine andere Möglichkeit sie zu bewerten.

Bewertung nicht-zeitlicher Meilensteine

Wichtig für die Bewertung der Meilensteine ist natürlich vor allem, wie sie gestaltet sind – sie müssen sich auf das Ergebnis und nicht auf die Form der Umsetzung beziehen, wenn sie im Kontext agiler Softwareentwicklung sinnvoll sein sollen. Also

"Wir sind in der Lage, Änderungen innerhalb von X Minuten – komplett getestet – ohne manuelle Eingriffe für Endanwender Verfügbar zu machen"

statt

"Wir haben einen Continuous Integration Server aufgesetzt".

Nicht nur, dass die technische Aussage mit dem Continuous Intergration (CI) Server für die Kunden nur schwer nachvollziehbar ist, auch ist die technische Umsetzung noch lange kein Garant dafür, dass die erste Formulierung erfüllbar ist, wie die vielen CI-Server beweisen, die ich in den letzten Jahren gesehen habe, bei denen eine Erfolgsrate von weniger als 25% der Veröffentlichungen vorlag.

Natürlich ist die Zeit bis zur Auslieferung nur ein Aspekt - die Liste der mögliches Aspekte ist lang und sicherlich von Unternehmen zu Unternehmen und da noch mal von Projekt zu Projekt unterschiedlich.

Um aber zur Bewertung dieses Aspekts zu kommen wird der Kontext sogar noch wichtiger - den die finanziellen Auswirkungen sind natürlich von Fall zu Fall sehr unterschiedlich. Ist nur ein einziges Release pro Jahr geplant, weil es sich um embedded Software handelt und das Produkt in dem sie sich befindet nur einmal pro Jahr verschickt wird, dann ist ein hoher manueller Aufwand möglicherweise kein Problem und die (hypothetisch) notwendigen Wochen des Aufsetzens und Konfigurierens des Servers wären viel teurer als 2 Personen, die ein mal im Jahr das Zusammenstellen der Auslieferungspakete 2 Tage lang betreuen. (Die anderen Probleme fehlender kontinuierlicher Integration betrachte ich hier vorsätzlich nicht - sie sind nicht in dem genannten Ziel enthalten und sollten m.E. als separate Ziele beschrieben und bewertet werden)

Um jetzt zu einer Zahl für den Vertrag zu kommen sind allerdings tatsächlich andere Disziplinen notwendig als die Informatik – hier sind wir eher im Bereich der Betriebswirtschaft und Finanzmathematik.
Das konkrete Beispiel – automatisierte Auslieferung – würde ich noch mal unterscheiden, und zwar nach einem komplett neuen Projekt mit eigener Infrastruktur und einem Projekt, das bereits läuft bzw. sich in eine existierende Projekt-Infrastruktur eingliedern soll.

Einfache Zielbewertung bei bestehenden Vergleichsdaten

Wenn wir über die Fähigkeit des Projektes reden Änderungen ohne manuelle Eingriffe verfügbar zu machen, dann fällt die Bewertung bei einem bestehenden Projekt sehr leicht, obwohl sie durchaus aufwändig sein kann. Hier mit hypothetischen Zahlen:

Releases pro Jahr5 mal
Bugfix-Releases pro Release bei manuellem Verfahren2
Tage manueller Arbeit pro Release2 tg
Personen beteiligt am Release3 ppl

Ergibt einen minimales Kostenpotential von (5*1 + 5*2)*2*3 = 90 Tagessätzen. Bei einer angenommenen projektierten Projektlaufzeit von 5 Jahren sind das 450 Tagessätze. Ohne Betrachtung des Zinsverlaufes (Barwertbetrachtung der Zahlungsreihe), der bei fünf Jahren auch schon interessant sein kann. Hier wäre eine Prämie für die Zielerreichung von 45 Tagessätzen sicherlich angemessen.

Wohlgemerkt: die eigentliche Arbeit wird nach Aufwand im Rahmen des Dienstleistungsvertrages abgerechnet - die Prämie wird für den Mehrwert der Fähigkeit fällig. Dadurch sind beide Seiten gefordert sich sehr ernsthaft mit der Frage auseinander zu setzten, welche Fähigkeiten wie wichtig sind.

Interessant werden diese Berechnungen, wenn man sie mit dem Businessplan des Projektes vermengt - nehmen wir an, dass wir ein Unternehmen (oder eine Abteilung) mit 40 Mitarbeitern haben, das sich nach 3 Jahren aus den Erträgen der Softwarenutzung selbst finanzieren soll. Nehmen wir das Bundesweite Durchschnittsgehalt im Sektor Information und Kommunikation von 2011 laut Allensbach von 4430 € kommen wir auf einen monatlichen Bedarf von (4430 € * 40) = 177.200 € oder, geteilt durch 30, 5906 € am Tag.
Nehmen wir des weiteren an, das die beiden Bugfix-Releases deshalb nötig waren, weil das System nur eingeschränkt zur Verfügung stand und in den insgesamt 20 Tagen der Bugfix Releases noch mal 50% Umsatzeinbußen zu verzeichnen sind haben wir auf einmal weitere 59.060 €, die der Auftraggeber an Mehrwert hat, wenn der Auftragnehmer einen Teil seiner Arbeitszeit dafür einsetzt diese Fähigkeit zu erreichen.

Ähnlich lassen sich auch andere Fähigkeiten wie z.B. die Fähigkeit Regressionsfehler zu erkennen, die Vorlaufzeit für neue Anforderungen zu kennen oder zu reduzieren etc. tatsächlich finanziell bewerten - je nach Kontext und Situation.
Diese Bewertung ist aber qualitativ anders als eine klassische Meilensteinbewertung nach umgesetzten Funktionen, da wir hier tatsächlich erreichten Fähigkeiten des Prozesses, des Projektes und letztendlich des gesamten Software entwickelnden Systems - Auftraggeber und Auftragnehmer - bewerten.

Planung und Absichtserklärung für neue Situationen

Anders als bei der "einfachen" Betrachtung im Falle der bestehenden Rahmenbedingungen wird die Betrachtung bei komplett neuen Projekten um einiges komplizierter - dafür hat man hier aber auch mehr Spielraum für die Betrachtung nicht-finanzieller Werte.

Diese Aspekte des Vertragswerkes abzuklären ist nicht mit einer einfachen Checkliste wie bei der Auswahl des Sonderzubehörs für ein neues Sportcoupé zu vergleichen, sondern erfordert tatsächlich eine eingehende Beschäftigung mit den Werten von Auftraggeber und Auftragnehmer – sowohl im Sinne von moralisch-ethischen Werten (Mitarbeiterzufriedenheit ist uns wichtig) als auch im Sinne von finanziellen Werten (Neue Mitarbeiter einzuarbeiten kostet uns im Schnitt 150 Tagessätze im Jahr).

Und im Gegensatz zu den ohnehin nur schwer vorab abstimmbaren Details der Funktionen können Vertragsverhandlungen, durch die jene Werte die beide Vertragspartner in der Zusammenarbeit sehen deutlich machen und abstimmen nicht nur schlecht sein.

Hier liegt auch mein (Teil-) Wiederspruch zum agilen Manifest: Obwohl das agile Manifest sagt "Wir schätzen Zusammenarbeit mit dem Kunden mehr als Vertragsverhandlung" können Vertragsverhandlungen sehr hilfreich sein, wenn es darum geht, sich über Werte zu einigen. Sofern man sich in der Lage fühlt, Verträge über Werte statt über Tätigkeiten abzuschließen.

mögliche qualitative Meilensteine

  • Lead Time (Zeit von der Idee bis zur Nutzbarkeit)
    • ist bekannt
    • ist bei N Tagen
  • Anzahl wieder auftretender Fehler (Regressionsfehler)
    • ist bekannt
    • liegt bei (oder unter) N pro Release
  • Kundenzufriedenheit
    • ist messbar
    • liegt bei (messbarer Größe)
  • Dauer des Realease-prozesses
  • Nachvollziehbarkeit der Reviews
  • Testabdeckung
  • Rollbackfähigkeit (nicht nur für Fehlersituationen)
  • Velocity ist bekannt
  • ... to be continued - by you! ...

Diese Liste ist in keiner Weise vollständig sondern nur ein Startpunkt für eigene Diskussionen - oder für die Ergänzung hier auf der Website in den Kommentaren

Weitere Aspekte

Was ist mit der Variante: Der Kunde bezahlt einfach nur die Zeit und in echter agiler Manier werden gemeinsam die aktuellen Inhalte erarbeitet?
Bei einem perfekten, vertrauensvollen Verhältnis der Parteien funktioniert dies sicher, aber – wie immer bei zeitbasierter Abrechnung – ist der größte Ökonomische Wert für den Auftragnehmer in diesem Modell zu erreichen, wenn er möglichst langsam arbeitet. Und auch wenn dies überhaupt nicht der Fall ist besteht ein gewisses Risiko, dass dem Auftraggeber in Zeiten, in denen das Projektfahrwasser rauer wird, genau diese Idee überwältigend einleuchtend erscheint und sich darüber die schöne Idee der kooperativen Zusammenarbeit ins negative wandelt.

Persönliche Fußnote:

Um Missverständnissen vorzubeugen: Ich selber ziehe für Beratung und Coaching mittlerweile Abrechnungsmodelle vor, die komplett auf dem für den Kunden erwirtschafteten Wert basieren - ähnlich den Modellen die im Abschnitt "Prämie" genannt wurden. Aber meiner Ansicht nach ist dieses Modell für komplette Projekte nur bedingt geeignet, so dass ich meine Ansichten hier im Modell "Proviant und Prämie" am ehesten wiederfinde.

Links:

[1] 10 Contracts for your next Agile Software Project | Agile Software Development

[2] Primer-Website: Agile Contracts

[3] Agile Contracts Primer

[4] Vortrag über Agile Verträge bei Agileworld

[5] Contracting for Agile Software Projects, Part 1 | Agile Software Development

[6] Verträge für agile Softwareentwicklung

Sonntag, 1. Juli 2012

Die Pyramide der Agilität

"Wir haben Scrum durch Kanban abgelöst"
"Seit wir eXtreme Programming durch Scrum abgelöst haben […]"
"Wir arbeiten nicht mit agilen Methoden sondern nach CMMI"

Sätze, die mich immer wieder verblüffen - zutiefst.

Die "Pyramide der Agilität" oder das "Agile Dreieck" sind Begriffe, die sich bei einigen Kollegen und mir über die letzten Jahre etabliert haben um das miteinander der Methoden zu beschreiben - nicht umsonst schreibt beispielsweise David J. Anderson - einer der wichtigsten Protagonisten von Software-Kanban "Kanban is not a Process"!

Aus meiner Sicht sind die agilen Methoden im Idealfall Bausteine, die zusammen eine Pyramide bilden können, in der die unteren Ebenen die oberen Ebenen stützen und die oberen Ebenen Erkenntnisgewinne für die unteren Ebenen generieren.

Um diese Sichtweise ein wenig zu illustrieren, hier meine grafische Einordnung der wichtigsten agilen (und eines nicht agilen) Schlagworte innerhalb dieser Pyramide.




Sonntag, 10. Juni 2012

Dilettierender Amateur - erstrebenswert, aber selten

Aus der Reihe: Ich glaube nicht, dass dieses Wort bedeutet, was Du glaubst, das es bedeutet...

Wir brauchen Profis und keine Amateure und Dilettanten!

Ach ja?

Wenn wir z.B. die Feinstarbeit betrachten, mit der ein Amateur-Modell-Flugzeugbauer (also jemand, der aus Liebe zur Sache Modell-Flugzeuge baut) sein Modell lackiert und z.B. dagegen stellen wie die meisten professionellen Anstreicher mit den Stellen einer Wand umgehen die "sowieso niemand sieht" (also Leute, die ihre Arbeit rein professionell, ohne Liebe an der Sache machen) stellen wir wahrscheinlich einen deutlichen Unterschied fest.

Hatte ich den Freund erwähnt, der zum fünften Mal in drei Jahren die Handwerker wegen des Schimmels an der Decke im Haus hat?

Die Worte Amateur und Dilettant stammen beide von Bezeichnungen für Leute, die Dinge tun, an denen sie sich Erfreuen. Der Profi kennzeichnet sich vom Wortstamm her vor allem dadurch, dass er (oder sie...) die jeweilige Tätigkeit "nur für das Geld" durchführt und auch die klangliche Nähe von Profi und Profit ist keineswegs ein Zufall.

Sind Sie sicher, dass Sie mehr Profis in ihrem Team brauchen?

Mehr zum Thema "Wer seine Arbeit gerne macht, macht sie auch besser" ist auch in dem spannenden (englischen) Beitrag von Daniel Pink zu finden der sich vor allem um intrinsische Motivation dreht.

Dilettant - Herkunft:
Im 18. Jahrhundert aus italienisch dilettante → it = „Kunstliebhaber“ entlehnt, das das Substantiv zu dilettare → it „erfreuen“ ist; dieses geht auf gleichbedeutend lateinisch delectare → la zurück. Strukturell ist es eine Ableitung zum Stamm des Verbs dilettieren mit dem Derivatem (Ableitungsmorphem) -ant.
Amateur - Herkunft:
Lehnwort des 17. Jahrhunderts aus dem französischen amateur → fr mit der Bedeutung „Kunstliebhaber“, [...]; seit dem 19. Jahrhundert in der heutigen Bedeutung, dass jemand etwas nicht berufsmäßig tut. Das französische „amateur“ wiederum geht auf das lateinische Substantiv amator (dt.: der Liebhaber, der Verehrer) zurück. Dieses Wort leitet sich von dem lateinischen Verb amare (dt.: lieben) her.[1]
Professionell - Herkunft:
beruflich ♦ aus frz. professionnel „berufs-, gewerbsmäßig“, zu frz. profession „Bekenntnis, Erklärung; Beruf, Stand“, aus lat. professio, Gen. -onis, „öffentliche Erklärung, Bekenntnis; das (offiziell angegebene) Gewerbe, Geschäft“, zu lat. profiteri „sich öffentlich zu einem Fach, Beruf bekennen“,
Quelle: Wissen.de
Vielen Dank an einen sehr geschätzten Amateur in vielem der mich auf diese Betrachtung der Worte aufmerksam machte.

Freitag, 1. Juni 2012

Cross functional Team - Bereichsübergreifend?

Eines der Konzepte, die aus dem TPS (Toyota Production System) ganz deutlich in die agile Welt transportiert wurden, ist das Konzept des "cross functional teams".

Aber was bedeutet "cross functional" hier eigentlich?

Ich glaube nicht, dass das Wort bedeutet, was viele denken

Die gute Praxis des "cross functional teams" wird von den meisten der agilen Prozesse in der einen oder anderen Form empfohlen oder gefordert, aber sind diese Teams wirklich im Sinne des TPS "cross functional"? Laut dict.cc wird "cross functional" mit funktionsübergreifend übersetzt, en.bab.la hingegen schlägt auch noch bereichsübergreifend vor. Das sind andere Konzepte als sie in vielen IT-Teams genannt werden. Alleine die Unterscheidungsseiten der deutschen und englischen Wikipedia bieten 13 bzw. 11 unterschiedliche Interpretationen zum Begriff "Funktion" - welche sind bei den agilen Entwicklungsteams verbreitet?

(Zu) schmales "cross functional"?

Datenbankentwickler, Spezialisten für serverseitige Programmierung und ein paar Profis im Bereich Benutzer-Interaktion. Vielleicht noch ein bisschen Webservice, REST und BPEL Know-how. Und spätestens wenn noch ein paar Betriebsleute eingebunden sind, scheinen alle Funktionen im Team verfügbar zu sein.
Fertig ist das "cross functional" Team?
Sicherlich sind Teams, die in diesem Sinne Funktionsübergreifend sind eine Form von "cross functional", die weitaus besser zu den aktuellen Herausforderungen in der Software passen als die teilweise immer noch vorhandenen separaten Client- und Server-Teams.

Aber reicht das aus?

Ein breiterer Denkansatz zu "cross functional"

Ganz anders das bereichs- und disziplinübergreifende Team, das die Aufgabe bekam das Auto zu entwerfen, das heute der Toyota Prius ist. Hier kamen nicht nur Motor-Spezialisten, Getriebe- und Beleuchtungssspezialisten mit Innenraum-Designern und Spenglern zusammen, hier war das – grade mal 10 Personen umfassende – Team ebenso mit Marketingleuten, Buchhaltern und Einkäufern besetzt, wie mit Technikern.

Quelle: leider fragwürdige, persönlich Unterhaltung, ungefähr 2003

Unabhängig davon, ob es nur eine schöne Geschichte ist, oder eine leider viel zu schlecht für Suchmaschinen optimierte reale Fallstudie - für mich ist der Gedanke absolut schlüssig:

Wir ziehen heutzutage die Grenzen des Teams oft an ungünstigen Stellen - "cross functional" sollte nicht heissen "IT-ler aller Art" sondern "Ein Team mit dem Know-how aus allen beteiligten Bereichen - auch mit IT-lern und Informatikern"

XP mit seinem Kunden im Team (On-Site Customer) geht da schon einen guten Teil des Weges, aber wirklich funktionsübergreifende und bereichsübergreifende Teams können nicht aus einer Funktion - oder einem Bereich alleine aufgebaut werden - sie müssen tatsächlich auch Bereichsübergreifend aufgebaut werden.

Das technisch "cross functional" aufgestellte Team ist meiner Ansicht nach mal wieder Notwendig, aber nicht hinreichend.

Cheers
   Michael